Schwangerschaft

Die Schwangerschaft der Frau dauert im Mittel 280 Tage, gerechnet vom ersten Tag der letzten Monatsblutung. Hormone spielen eine wesentliche Rolle für den Verlauf der Schwangerschaft und die physischen aber auch die psychischen Veränderungen bei Mutter und Kind.

Die Schwangerschaft ist nicht nur ein hormonelles und biologisches Ereignis. Eine Schwangerschaft bedeutet immer auch psychische und soziale Entwicklungsschritte. Das Leben der werdenden Mutter erfährt in Bezug auf die Partnerschaft und den Beruf eine Neuordnung. Die eigene Mutterrolle muss definiert werden, wobei die seelische Lage der Frau auch wesentlich dadurch bestimmt wird, ob das erwartete Kind erwünscht ist oder nicht.

Wir werden im Folgenden einen kurzen Überblick über den Verlauf der Schwangerschaft, die Geburt und die Stillzeit geben.

Schwangerschaftsverlauf
Geburt
Stillzeit

Schwangerschaftsverlauf

Befruchtung und Einnistung
Nach der Ovulation ist die Eizelle f
ür höchstens 12 Stunden befruchtungssfähig. Innerhalb dieses Zeitraums müssen die Spermien im Eileiter sein. Zwischen der Befruchtung und der Einnistung der Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut liegen ungefähr sechs Tage. Während dieser Zeit teilt sich die Eizelle und es entsteht schließlich ein aus mehreren Zellen bestehendes Bläschen (Blastozyste).

Die Blastozyste nistet sich in der Gebärmutterschleimhaut ein. Unter dem Einfluss von Progesteron bildet sich die Schwangerschaftsschleimhaut, welche ein günstiges Milieu für die weitere Entwicklung des Keimes bietet. Sie ist besonders gut durchblutet und der menstruelle Zerfall der Schleimhaut bleibt aus. Das Ausbleiben der Regelblutung ist auch eines der ersten Schwangerschaftszeichen.

 

Die körperlichen Veränderungen
Aus der Blastozyste entwickelt sich der Embryo, der von einer mit Fruchtwasser gef
üllten Fruchthülle geschützt wird. Das Fruchtwasser dient dem Kind als Trink- sowie Ausscheidungsreservoir und ermöglicht seine Beweglichkeit.

Nach außen wird die Fruchthülle von Eihäuten abgegrenzt.

An den Eihäuten entwickeln sich Zotten, die an besonders umschriebenen Stellen mit der Gebärmutterschleimhaut verwachsen und den Mutterkuchen (die Plazenta) bilden.

Der Mutterkuchen ist das wichtigste Organ zum Stoffwechsel zwischen Mutter und Kind. Die in den Zotten enthaltenen Blutgefässe wachsen zu immer größeren Gefäßsystemen zusammen und bilden schließlich die Nabelschnur. Sauerstoff- und nährstoffreiches mütterliches Blut gelangt über die Nabelschnur zum Kind. Die Abbauprodukte des kindlichen Organismus werden ebenfalls über die Nabelschnur an die mütterlichen Stoffwechselorgane (Lunge, Leber, Niere) zur Ausscheidung abgegeben.

In der Plazenta werden auch wichtige Hormone gebildet. In den ersten Wochen entsteht in der Plazenta das hCG (humanes Choriongonadotropin). Dieses Hormon unterstützt den Schwangerschaftsgelbkörper, genügend Progesteron zu bilden. Schon 2 – 8 Tage nach Ausbleiben der Regelblutung kann man Choriongonadotropin im Blut oder Urin der Frau als sicheres Schwangerschaftszeichen nachweisen (hormonaler Schwangerschaftstest).

Daneben bildet die Plazenta Östrogene, vor allem aber Progesteron, das dominierende Schwangerschaftshormon. Durch Progesteron wächst die Muskelschicht der Gebärmutter, wird aber auch gleichzeitig ruhig gestellt (Verhinderung von Wehen). Die Brustdrüsen werden auf ihre Stillfunktion vorbereitet. Die Sexualhormone haben aber nicht nur Einfluss auf die Genitalorgane, sondern auf den gesamten mütterlichen Organismus. Sie regen die gute Durchblutung des ganzen Körpers an, so dass Schwangere oft “blühend” aussehen. Die erhebliche Hormonumstellung bringt aber auch Probleme mit sich, vor allem zu Beginn der Schwangerschaft (z.B. Verstopfung, Wassereinlagerung in den Beinen).

 

Die Entwicklung des Kindes
Das Kind entwickelt sich im Mutterleib nach einem konstanten Zeitplan (dem Determinationskalender). Sch
ädliche Einflüsse wie Krankheitserreger, Alkohol, Nikotin, Drogen oder Stress der Mutter sind für den Embryo (4. – 9. Schwangerschaftswoche) am gefährlichsten, weil in der Embryonalzeit praktisch alle inneren Organe angelegt werden (Gefahr von Missbildungen).

Der Determinationskalender ist genetisch festgelegt. Dies betrifft auch die Entwicklung der Geschlechtsorgane. Interessanterweise benötigt die Ausbildung des weiblichen Geschlechts noch nicht die Wirkung der Sexualhormone sondern ist rein genetisch vorbestimmt. Zur Ausdifferenzierung des männlichen Geschlechts werden männliche Sexualhormone benötigt, die der Fetus selbst produziert.

 

 

 

 

 

Geburt

Mit dem Auftreten der Geburtswehen beginnt der Geburtsvorgang.

Wehen sind Kontraktionen der kräftigen Gebärmuttermuskulatur. An der Auslösung der Wehentätigkeit sind die Sexualhormone weniger beteiligt. Diese Aufgabe übernehmen andere Hormone – vor allem Oxytozin und Prostaglandine.

Die Wehenkraft treibt den kindlichen Kopf in den Beckeneingang, der Muttermund eröffnet sich und die Fruchtblase zerreißt.

In der Austreibungsperiode wird das Kind unter starken Presswehen geboren.

In der Nachgeburtsphase kommt es zur Ablösung und Ausstoßung des Mutterkuchens.

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